Letztes Update: 26.11.2010

Der “Holzroller” - oder auch die Baureihen E11 und E42 der Deutschen Reichsbahn

Der etwas seltsam anmutende Beiname dieser ersten in der DDR für die Deutsche Reichsbahn gebauten Ellok soll seinen Ursprung in dem hölzernen Trittbrettern im Dachbereich haben.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm die DR am 01. September 1955 den ersten wieder Elektrifizierten Streckenabschnitt zwischen Halle (Saale) Hbf und Köthen (36 km) in Betrieb. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die vorhandenen Elloks aus Vorkriegszeiten (E04, E18, E44, E77 und E94) nicht lange den Bedarf decken können. Deshalb wurde schon 1955 das LEW Hennigsdorf beauftragt, eine vierachsige Lok für das 16,7-Hz-Netz der DR zu entwickeln. Im Herbst 1956 wurde dem LEW ein Pflichtenheft übergeben, welches u. a. die Spezialisierung der neuen Lokbaureihe in eine Schnellzuglok und in eine Güterzuglok vor sah. Es wurden die Baureihenbezeichnungen E11 und E42 festgelegt. Den Unterschied zwischen der E11 und der E42 machte das Übersetzungsverhältnis aus. Während die E11 mehr auf Geschwindigkeit ausgelegt war, wurde bei der E42 mehr Wert auf Zugkraft gelegt.

Ab 1963 wurden die Maschinen der BR E11 (ab 1970 BR 211) und E42 (ab 1970 BR 242) an die DR ausgeliefert. Über viele Jahre bildeten beide Baureihen das Rückrad der elektrischen Zugförderung bei der DR, ohne jedoch die Altbauloks der BR E44 und E94 vollständig zu verdrängen. Das Erscheinen der Baureihe 243 in der 2. Hälfte der achtziger Jahre drängte die “Holzroller” etwas in den Hintergrund. Zu dieser Zeit wurden auch verschiedene Loks umgebaut. Durch Veränderungen am Übersetzungsverhältnis wurden zum Beispiel im BW Seddin vier Maschinen der BR 242 (242 180, 242 188, 242 194 und 242 196) zu schnellen 211-ern umgebaut und an den “Sputnik” - Zügen auf dem südlichen Berliner Außenring eingesetzt. Einige “Holzroller” machten im Bergbau noch eine Karriere. Von der DR nicht mehr benötigte “211” wurden an das BKK Bitterfeld (später MIBRAG) abgegeben und dort vor Kohlezügen im Bitterfelder Revier eingesetzt. 

Insgesamt wurden zwischen 1961 und 1977 95 Maschinen der Baureihe E11/211 plus die wiederaufgebaute Unfalllok E11 004 als 211 056 vom LEW Hennigsdorf geliefert. Von der Baureihe E42/242 lieferte LEW 292 Maschinen an die Deutsche Reichsbahn.

Ab 1990 begann der Stern des “Holzrollers” schnell zu sinken. Trotzdem gab es noch etliche Maschinen, die am 01. Januar 1992 in das Schema der Bundesbahn umnummeriert wurden. Aus der BR 211 wurde die Baureihe 109 und die BR 242 hieß nun “142”.

Am 05. Dezember 1993 startete der “Holzroller” in ein zweites Leben und eine internationale Laufbahn. Insgesamt 20 Maschinen der BR 242 wurden in die Schweiz zur Firma Lokoop AG verkauft. Die Lokomotiven erhielten eine elektrische Bremse, wofür ein Stromabnehmer entfernt wurde. Der verbliebene Stromabnehmer erhielt eine schmalere Wippe für die Schweizer Strecken. Neben verschiedenen technischen Anpassungen wurden die Maschinen mit den Zugsicherungssystemen der Schweiz (Signum, ZUB) ausgerüstet. Die Mittelthurgaubahn und ihre 100%-ige Tochter Lokoop AG gingen im Herbst 2002 in Konkurs, so dass 18 Maschinen in den Bestand der SBB übergingen. Die SBB hatte kein Interesse an den Maschinen und verkaufte sie an die WAB. Am 06. März 2003 kehrten 17 Maschinen nach Deutschland zurück.

Die ehemalige 142 042 war inzwischen an die SOB (Ae 476 012) verkauft wurden. Die ehemaligen 142 110 (Ae 417 191) und die 142 145  (Ae 417 192) wurden schon 1995 an die GFM verkauft, so dass drei “Holzroller” in der Schweiz verblieben.

In den letzten Jahren haben einige “Holzroller” bei verschiedenen EVU´s in Deutschland neue Aufgaben erhalten und sind heute noch täglich in ganz Deutschland unterwegs.

Auch zur Familie der “Holzroller” gehören die 15 Maschinen der BR E 251 (ab 1970 BR 251, ab 1992 BR 171) der mit 25 kV / 50 Hz betriebenen “Rübelandbahn”.

Ein Blick in den Führerstand und den Maschinenraum.

 

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